Phang Rang, die Stadt der Winde

Natürlich reizt uns so ein Angebot und während wir uns fragen was wir tun sehe ich die Euphorie in Klaus Augen. Ein Trip ins Blaue? Mit Einheimischen? Zu einer Stadt ohne Touristen? Was besseres kann uns nicht passieren.

Wir packen ein paar Sachen, checken nicht aus (Zimmer kostet 8 €/Tag, dafür lohnt es sich kaum) und kommen um 08:30 Uhr am Treffpunkt an. Lee und seine Leute verladen in gewohnt asiatischer Verrücktheit Ihr gesamtes Equipment auf die Roller. Kiteboards, Kites und das alles lustig befestigt und mit maximaler Wind-Anfgriffsfläche. Lee hat zwei Mopeds für uns organisiert für die wir nach etwas vietnamesischem Gequake zwischen Lee und dem Verleih-Asiaten nicht bezahlen dürfen (mal sehen was das gibt) und dann geht es auch direkt los.

Wir fahren ca. 1 Km und kommen dann in einem Moped-Reperatur-Laden zum stehen. Dort steht ein etwas moppeliger, quarzender Vietnamese und instruiert einen kleineren Gehilfen, der wild an den Mopeds zu schrauben und zu ölen beginnt. Ein paar Reifen werden auch nochmal aufgepumpt, offenbar tunen wir die Kisten nochmal vor Abfahrt.

Wir fahren los. Der Weg führt an der Küste entlang durch eine wunderschöne Landschaft. Vorbei an roten, dann weißen Sanddünen so riesig, dass es sich anfühlt als wäre man in der Wüste. Zu unserer Rechten ist stets das wilde Meer. Wellen schlagen auf langen, leeren Sandstränden auf. Ich widerstehe dem Drang anzuhalten und ein Foto zu machen. Man behandelt uns nicht wie Touristen, also benehmen wir uns nicht wie welche.

Die Landschaft wechselt von Kilometer zu Kilometer. Wir fahren tiefer in die Berglandschaft hinein. Es wird zunehmend windiger. Binhs Moped, auf welches man völlig selbstverständlich ein fettes langes Board quer draufgeschnallt hat, fängt an bedenklich zu wackeln. Wir drosseln unser Tempo, und kriechen fortan nur noch mit maximalen 30 km/h durch die immer dürrer werdende Berglandschaft.

Als wir ankommen haben wir 4 Stunden gebraucht. Klaus sortiert erstmal alle Wirbel. Mir ist die Hand vom Schalten eingeschlafen. Der Kitespot  ist sehr verlassen und liegt fernab von der Zivilisation im vietnamesischen Bergland. Es sind ein paar Kiter da aber eigentlich fährt keiner. Es sind 35 Knoten sagt man uns, das sei aber verhältnismäßig wenig. Heute morgen wären es 59 gewesen. Leider ist das noch viel zu viel zum Kiten. Alle schauen enttäuscht Richtung Meer. Lee und Kanh versuchen es kurz, geben aber nach einigen Fehlversuchen kurzer Hand das Kiten auf. Wir brechen Richtung Stadt auf. Hier soll es eine günstige Unterkunft geben.

Binh kennt sich hier aus. Die Unterkunft ist so richtig asiatisch umtouristisch, das merkt man direkt beim Betreten der „Rezeption“, wenn man das überhaupt so nennen kann. Dies ist nämlich sowohl Rezeption als auch Massenparkplatz von 748574839 Mopeds. Die Zimmer sind alle Raucherzimmer. Die Betten sind zu Klaus‘ Entsetzen betonhart. Der Preis ist bislang der niedrigste für ein Zimmer mit Bad und Klimaanlage: 150k Dong (etwa 7 € für zwei Personen). Den dürfen wir allerdings auch nicht bezahlen, das macht Lee irgendwann völlig unbemerkt.

Abends gehen wir das erste mal auf dieser Reise authentisch vietnamesisch Essen. Es ist unglaublich windig und laut Lee ist es hier immer 6 Monate im Jahr so. Wir setzen uns auf Plastikstühle bei etwas was man wohl „Restaurant“ nennen könnte. Es gibt Stühle, Tische, ein Plastikdach und in der Ecke steht ein Vietnamese und gröllt schief in ein Mikrofon (die nennen es Karaoke, klingt wie wie etwas zwischen singender Frosch und kämpfenden Katzen aufer Mülltonne). Zu Essen gibt es vietnamesische Spezialitäten: halb ausgebrütete Eier, Schnecken, Muscheln, grünen Reis, Hühnchen, Limonen-Salat mit Rind, Krabbe, irgendeinen Vogel (bei dem mir jedes zweite von mir gewählte Stück durch Kanh abgenommen wird, da ich offenbar jedesmal etwas ungenießbares wie Kopf oder Hintern erwische), Bier aus großen Krügen und das alles für 20€ für 6 Leute. Wie es sich für diese Stadt wohl offenbar gehört fallen alle paar Minuten Tische um, oder ein Plastikstuhl in dieser eigentlich vermeintlich windgeschützten Zone fliegt durch die Gegend. Offenbar aber finden dies hier alle irgendwie normal. Verrückte Stadt. Binh zeigt mir den ganzen Abend lang stolz Fotos von seiner Frau, seinen Hunden und seinem Haus (welches voll mit Boards unterschiedlicher Art ist) und wir reden über Politik, die Leute in Vietnam und die Geschichte. Einen Kellner fragen wir, ob er eine Foto von uns schießen könnte. Er macht dabei zur Belustigung der gesamten Runde aber einfach auch zwei Fotos von sich.

Das ist er. Einer dieser unvergesslichen Abende, von denen wir noch Jahre später erzählen. Wo wir das echte Land und die Leute, ihre Sorgen und Gedanken kennenlernen. Wir unterhalten uns in gebrochenem Englisch und haben Spaß. Später gehen wir noch in eine vietnamesische Mall (das finden die Jungs irgendwie unheimlich spannend) und holen ein paar Mixgetränke. Kanh trägt wie immer auch hierbei keine Schuhe.

Wir gehen alle schlafen und verlassen die Stadt am nächsten Tag nach einem erneut tollem Frühstück wieder. Die Rückfahrt ist diesmal viel kürzer, da wir mit dem Wind fahren. Eine kurze Pause machen wir in der nähe der weißen Sanddünen auf einer endlos langen, recht unbefangenen Straße, so dass ich ein paar Fotos machen kann.

 

  2 comments for “Phang Rang, die Stadt der Winde

  1. Riedel
    Dezember 30 at 09:39

    Für den letzten Tag war das ja eine tolle Abschiedsvoestellung. Ich hoffe, der Kulturschock hier in Deutschland wird nicht allzu dramatisch ablaufen. Ich freu mich schon auf ein Wiedersehen mit euch , wenn wir aus Coesfeld zurück sind.
    Eine gute Heimreise wünsche ich euch !!!
    Bis bald

  2. admin
    Januar 2 at 08:51

    Danke, haben wir gehabt:) Der Kulturschock ist eher ein angenehmes wieder nach Hause kommen. Wir freuen uns! Frohes neues Jahr:)

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